Aus Gast wurde ein Freund

Communio in Christo verabschiedete Father Patrick Mwanguhya (40) nach fünf Jahren in Mechernich – Priester aus Uganda wirkte vor allem als Seelsorger für Schwerstpflegebedürftige, Alte und Sterbende – Zum 1. September wechselt er ins Bistum Regensburg

Mechernich – Eigentlich konnte Patrick Mwanguhya damals nur zwei deutsche Wörter: „Guten Morgen“. Das jedenfalls antwortete der junge Priester aus Uganda seinem Bischof, als der ihn während der Corona-Pandemie unvermittelt fragte, ob er Deutsch spreche. Ob er die Sprache denn lernen könne? Patrick sagte ja. Wenige Tage später saß er im bischöflichen Büro – und hörte zum ersten Mal ausführlicher von der Communio in Christo in Mechernich.

Fünf Jahre später fiel ihm der Abschied von dort jetzt sichtbar schwer. Mitglieder und Freunde der Communio, Mitarbeiter des Sozialwerks, Ordensschwestern, Priester und Weggefährten verabschiedeten den 1986 in Fort Portal geborenen Geistlichen am Freitagabend, 21. August, im Mutterhaus. Zum 1. September beginnt für ihn ein neuer Abschnitt: Sein Heimatbischof Robert Muhiirwa entsendet ihn in eine kleinere Gemeinde im Bistum Regensburg in der Nähe von Straubing.

Der Abschied war eingebettet in das Communio-Treffen zum 49. Jahrestag der ersten Gründung Mutter Marie Thereses. Nach Rosenkranz und Eucharistiefeier folgten gemeinsames Abendessen, Dankesworte, Gesang und Tanz. Patrick selbst stand als Hauptzelebrant am Altar.

Mit ihm feierten unter anderem Spiritual Pater Rudolf Ammann ISch, Pfarrer Dr. Shaji Thomas Manikulam, der aus Haiti stammende Scalabriner Pater Elex Normil, der Salesianer Pater Günther Wendel, Pfarrer Bedemore Okwudili Ezeagu aus Nigeria, Pfarrer Subin, der für ein Jahr aus Trivandrum/Kerala zur Communio delegiert ist, und Diakon Manfred Lang, der Stellvertreter des zurzeit in Indien weilenden Generalsuperiors Jaison Thazhathil. Auch Erik Pühringer, Leitender Pfarrer des Pastoralen Raumes St. Barbara Mechernich, nahm an der Feier teil.

2018 in Uganda geweiht

 

Patrick Mwanguhya stammt aus dem westugandischen Fort Portal und wurde 2018 in der Kathedrale „Our Lady of the Snows/Unsere Liebe Frau vom Schnee“ vom damaligen Diözesanbischof Robert Muhiirwa Akiiki zum Priester geweiht. Die Verbindung seines Bistums zur Communio war damals bereits gewachsen. Bischof Robert Muhiirwa hatte die Mechernicher Gemeinschaft und insbesondere deren Einsatz für kranke, pflegebedürftige und sterbende Menschen kennengelernt.

Als die Communio 2021 einen Priester für die Krankenseelsorge suchte, fiel seine Wahl auf Patrick. Wie überraschend diese Wendung für den jungen Geistlichen kam, erzählte er nun selbst. Er sei gerade in seiner damaligen Pfarrei gewesen und habe das Angelusgebet sprechen wollen, als das Telefon klingelte.

Am Morgen des 15. Oktober 2021 kam Patrick in Mechernich an. Edo Dijkstra holte ihn am Bahnhof Euskirchen ab, Schwester Lidwina begrüßte ihn im Mutterhaus. Der Start verlief allerdings wenig gemeinschaftlich: Wegen der Corona-Bestimmungen musste der Neuankömmling zunächst sieben Tage in seinem Zimmer in Quarantäne bleiben.

Und dann war da noch das deutsche Mineralwasser. Sprudel kannte Patrick nicht. Beim ersten Schluck rannte er, wie er unter großem Gelächter erzählte, zum Waschbecken und spuckte ihn wieder aus. Er habe geglaubt, man habe ihm versehentlich „eine andere Substanz“ gegeben.

Am 25. Oktober begann sein Deutschkurs. In der ersten Woche, gestand er, habe er „absolut nichts“ von dem verstanden, was der Lehrer sagte. Gleichzeitig begann er bereits, mit der Gemeinschaft Gottesdienst zu feiern. Schwester Lidwina half ihm bei Lesungen und Predigten und bereitete mit ihm die Besuche bei Bewohnern und Patienten vor.

Seelsorger in den Einrichtungen

Daraus wurde sein eigentlicher Auftrag. Fünf Jahre lang war Patrick vor allem Seelsorger für Menschen in den Einrichtungen des Sozialwerks der Communio – in der Langzeitpflege in Mechernich, im Hospiz Stella Maris und im „Haus Effata“, der Seniorenpflege in Blankenheim. Dazu kamen Gottesdienste, Gespräche und Besuche bei Kranken und Sterbenden.

Schwester Theresia erinnerte bei der Abschiedsfeier besonders an seinen „liebevollen Umgang mit den Kranken“, seine Empathie und die Fähigkeit, Menschen dort abzuholen, wo sie standen. Edo und Marie-Thérèse Dijkstra berichteten, wie Patrick Edo während seiner schweren Erkrankung 2023 beigestanden hatte.

Auch die indischen Schwestern beschrieben ihn nahezu übereinstimmend als „demütig, bescheiden, zuvorkommend, hilfsbereit, freundlich, humorvoll und nicht zuletzt verbindlich“. Schwester Helene und Schwester Maria brachten es knapper auf den Punkt: „Pfarrer Patrick gehört einfach zu uns.“

Patrick selbst nannte die Menschen, mit denen er im Mutterhaus zusammenlebte, seine „eigentliche innere Gemeinschaft“. Zu Schwester Lidwina, Schwester Theresia, den Priestern Shaji und Subin, Schwester Shelly, Schwester Maria, Schwester Helene, den Samaritan-Schwestern und Familie Dijkstra sagte er: „Ihr seid wunderbare Menschen und habt mein Leben geprägt.“

Auch in den Gemeinden

Nach Rosenkranz und Messe folgten gemeinsames Abendessen und anschließend die Würdigungen – zunächst die Grußbotschaft von Diakon Manni Lang auch im Namen von Generalsuperior Father Jaison, dann Pater Ammann, das gemeinsame Segenslied, Norbert Arnold für die Einrichtungen, Andrea Heide für die Betreuungskräfte, Schwester Lidwina für die Kommunität mit Kochbuch und Schürze, danach der afrikanische Tanz und schließlich Patrick selbst mit seinem Dank. 

Der Wirkungskreis des gebürtigen Uganders in Mechernich blieb nicht auf das Mutterhaus der Communio beschränkt. Patrick half auch im Pastoralen Raum St. Barbara Mechernich aus, dessen Leitender Pfarrer Erik Pühringer ebenfalls zur Verabschiedung gekommen war.

Er feierte Gottesdienste in den Gemeinden, nahm an Wallfahrten und kirchlichen Festen teil, war beim St.-Georgsritt in Kallmuth dabei, am Schmerzensfreitag und bei Wallfahrtstagen, vertrat Pfarrer Felix Dörpinghaus und segnete in Kallmuth die Barbara-Stele. 2025 begleitete er die gemeinsame Romwallfahrt von Communio und Pastoralem Raum im Heiligen Jahr und zelebrierte dort die täglichen Pilgermessen.

Auch innerhalb des Ordo rückte er offenbar immer stärker ins Zentrum. 2024 reiste er mit einer Communio-Delegation zu den polnischen Mitgliedern nach Krakau und Tschenstochau; bei Gottesdiensten im Mutterhaus tritt er regelmäßig gemeinsam mit Generalsuperior Jaison Thazhathil in Erscheinung. So wurde aus dem ugandischen Gastpriester mit der Zeit ein vertrautes Gesicht über die Communio hinaus.

Diakon Manfred Lang, stellvertretender Generalsuperior, erinnerte bei der weltlichen Feier daran, dass fünf Jahre „aus einem Gast einen Mitbewohner, aus einem Mitbewohner einen Vertrauten und aus einem Fremden einen Freund machen“ können. Patrick sei ein „Homo sympathicus“, ein Sonnenschein, dessen Lachen ansteckend sei – und zugleich ein Seelsorger, der kein großes Aufheben um seine Person mache, sondern einfach bei den Menschen sei.

Dank an viele Weggefährten

In seiner eigenen Abschiedsrede machte Patrick deutlich, wie sehr ihn diese Jahre geprägt haben. Er dankte zunächst Gott und Mutter Marie Therese, die in der Communio eine Gemeinschaft hätten entstehen lassen, in der Menschen willkommen seien und Liebe und Sorge für den Nächsten im Mittelpunkt stünden.

Den früheren Generalsuperior Karl-Heinz Haus, den er nach seiner Ankunft aus Afrika nur noch drei Monate erlebt hatte, bezeichnete Patrick als seinen Freund. Trotz seiner Schmerzen habe Haus eine tiefe Verwurzelung in der Liebe zu Gott und zum Nächsten ausgestrahlt.

Pater Ammann dankte Patrick für dessen „tiefgreifenden spirituellen Einfluss“. Geschäftsführer Norbert Arnold würdigte er für seine Professionalität und Disziplin im Management von Verwaltung und Einrichtungsleitung. Den Betreuungskräften in Mechernich und Blankenheim, seinen „Chefinnen“ Sonja Plönnes, Franziska Geist und Andrea Heide galt ebenso sein Dank wie zahlreichen Familien und Freunden.

Generalsuperior Father Jaison Thazhathil, der sich zurzeit in Indien aufhält, ließ Grüße übermitteln. Er hatte auch die Idee für eines der Abschiedsgeschenke: Weil Patrick künftig erstmals stärker auf einen eigenen Haushalt angewiesen sein werde, bekam er von der Kommunität ein Kochbuch – und dazu eine Schürze mit der Aufschrift „Chefkoch Pf. Patrick“. Schwester Lidwina überreichte beides unter großem Gelächter.

Afrikanische, deutsche und indische Schwestern und weitere Gäste tanzten, andere sangen ein gemeinsames Segenslied für Patrick. Dazwischen wurde viel gelacht und applaudiert. Es war kein stiller Abschied, sondern einer, bei dem Dankbarkeit und Wehmut und die Universalität der Kirche dicht beieinanderlagen.

Patrick Mwanguhya wurde 1986 in Fort Portal in Uganda geboren und stammt aus einer Familie mit insgesamt sieben Kindern; er hat sechs Geschwister. Seine Eltern heißen Augustine Kasaija und Janerose Kusemeriwa. Seine Tante Sr. Revocata Bujune war Ordensfrau. Patrick fasste seine fünf Mechernicher Jahre schließlich mit wenigen Worten zusammen: Die ganze Communio-Familie und ihre Freunde würden „immer in meinem Herzen sein“.

Nun schickt ihn sein Bischof weiter. Seine vereinbarte Dienstzeit bei der Communio sei abgelaufen. Am 1. September trete er seine neue Stelle im Bistum Regensburg an. Für das, was dort auf ihn wartet, bat er um das Gebet seiner bisherigen Weggefährten.

Eines dürfte ihm in Bayern inzwischen jedenfalls leichter fallen als bei seiner Ankunft in Mechernich: Sprudelwasser kennt er jetzt. Dafür müsse er sich künftig an größere Bierhumpen gewöhnen, scherzte Geschäftsführer Norbert Arnold, selbst gebürtigen Bayer aus Würzburg. Erste Erfahrungen sammelte Father Patrick nach eigenen Angaben bereits beim Gäubodenfest im August, einem der größten Volksfeste in Bayern, und zwar in Straubing. 

pp/Agentur ProfiPress