Köln/Mechernich – Gefeiert wurden 50 Jahre weltkirchlicher Dialog. Eine der kirchlichen Freundschaften, die dabei im Kölner Dom besonders sichtbar wurde, ist allerdings noch älter: Seit Jahrzehnten verbindet das Erzbistum Köln eine außergewöhnlich enge Beziehung mit der syro-malankarischen katholischen Kirche im südindischen Kerala.
Eine von deren wichtigsten Stützpfeilern in Deutschland ist die syro-malankarische Gemeinde auf dem Bonner Venusberg – und die Gemeinschaft Ordo Communionis in Christo mit Mutterhaus in Mechernich, die von dem syro-malankarischen Priester Jaison Thazhathil angeführt wird.
Beim Jubiläumswochenende „50 Jahre Weltkirchliche Zusammenarbeit im Erzbistum Köln“ am 3. und 4. Oktober gehörte auch Moran Mor Baselios Kardinal Cleemis Catholicos, Großerzbischof-Catholicos der syro-malankarischen katholischen Kirche und Großerzbischof von Trivandrum, zu den internationalen Ehrengästen.
Father Jaison aus Mechernich, der einmal privater Sekretär des Großerzbischofs war, und Father Subin, der neue aus Trivandrum zur Communio in die Eifel delegierte Geistliche, standen ihrem Kardinal während der Feierlichkeiten zur Seite und konzelebrierten auf seinen Wunsch beim feierlichen Pontifikalamt im Kölner Dom. Ebenfalls mit von der Partie Chorbischof Santhosh Thomas Koickal, der Koordinator der syro-malankarischen Gemeinden in Deutschland.
Mehrere hundert Gäste aus zahlreichen Ländern nahmen an den Veranstaltungen teil. Zum Programm unter dem Leitwort „Mutig unterwegs“ gehörten neben dem Pontifikalamt ein Festakt im Maternushaus, Konzerte, ein „Markt der Weltkirche“ und das internationale Jugendprojekt „Tomorrow has a Pulse“. Die heutige Diözesanstelle „Weltkirche & Dialog“ geht auf die 1976 gegründete Hauptabteilung „Weltkirche – Weltmission“ zurück und pflegt inzwischen Kontakte zu Ortskirchen in mehr als 100 Ländern.
„Geschwister einer großen Familie“
Für Father Subin, der die Begegnung für die Communio dokumentierte, war das Jubiläum weit mehr als eine kirchliche Großveranstaltung. Gerade die Anwesenheit von Kardinal Cleemis machte sichtbar, was sich über Jahrzehnte zwischen Köln und Trivandrum entwickelt hat. Es sei, schreibt der junge indische Priester, ein „dauerhaftes Band des Glaubens, der Solidarität und der gegenseitigen Zusammenarbeit“ entstanden.
Auch Rainer Maria Kardinal Woelki stellte beim Erntedank-Pontifikalamt die persönliche Begegnung in den Mittelpunkt. Weltkirchliche Zusammenarbeit lebe seit 50 Jahren von gegenseitiger Unterstützung, voneinander Lernen und insbesondere vom gemeinsamen Gebet. Die Partner in anderen Ländern seien keine Fremden, sagte der Kölner Erzbischof, sondern „Geschwister einer großen Familie, der Familie Gottes“.
„Gerade die Beziehungen zu den Syro-Malankaren sind dafür ein anschauliches Beispiel, denn sie begannen lange vor der Gründung der heutigen Kölner Weltkirchenstelle“, schreibt Father Subin. Die syro-malankarische katholische Kirche gehört zu den mit Rom verbundenen katholischen Ostkirchen. Sie steht in voller Kirchengemeinschaft mit dem Papst, bewahrt jedoch ihren eigenen westsyrischen Ritus, ihre Liturgie, Spiritualität und kirchliche Tradition. Ihre Wurzeln liegen bei den alten Thomaschristen Indiens.
Kardinal Cleemis steht als Großerzbischof-Catholicos an ihrer Spitze. Sitz seiner Kirche ist Trivandrum, das heutige Thiruvananthapuram, im südindischen Bundesstaat Kerala. Die Freundschaft zwischen Köln und der syro-malankarischen Kirche reicht nach Angaben des Erzbistums bis in die Zeit von Josef Kardinal Frings zurück. Kurz nach der kirchlichen Neuordnung unter Mar Ivanios begründeten dessen Nachfolger Mar Gregorios und Kardinal Frings eine Beziehung, die über die Jahrzehnte Bestand hatte. Kardinal Woelki erinnerte daran ausdrücklich bei seiner Indienreise im Jahr 2018.
Auch unter dem späteren Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner wurden die Kontakte durch persönliche Begegnungen, gegenseitige Besuche und konkrete Unterstützung weiter vertieft. Unter Kardinal Woelki und Kardinal Cleemis erhielt die Verbindung erneut ein besonders persönliches Gesicht.
Im Juli 2018 reiste der Kölner Erzbischof auf Einladung seines indischen Amtsbruders nach Kerala. In Trivandrum nahm Woelki gemeinsam mit Kardinal Cleemis und den Bischöfen der syro-malankarischen Kirche an den Feierlichkeiten zum 65. Todestag ihres Kirchengründers Mar Ivanios teil. Rund 4000 Pilger kamen damals zusammen.
Ein halbes Jahr später folgte der Gegenbesuch. Im Januar 2019 war Kardinal Cleemis Gast Kardinal Woelkis und konzelebrierte am Dreikönigstag das Pontifikalamt im Kölner Dom. Das Erzbistum bezeichnete die Verbindungen damals bereits als „seit Jahrzehnten gewachsen“.
Damit fügte sich die Einladung zum diesjährigen Weltkirchenjubiläum in eine lange Tradition ein. Dass Kardinal Cleemis ausgerechnet Father Jaison und Father Subin zur Konzelebration bat, gab dieser Verbindung zugleich einen unmittelbaren Bezug nach Mechernich.
Internationales in Mechernich
Father Jaison Thazhathil stammt selbst aus der syro-malankarischen katholischen Kirche und steht als Generalsuperior an der Spitze des Ordo Communionis in Christo. Internationale und weltkirchliche Verbindungen gehören für die Mechernicher Gemeinschaft seit vielen Jahren zum Alltag.
Das zeigt sich nicht zuletzt an den indischen Priestern, die auf Vermittlung von Kardinal Cleemis aus dem Großerzbistum Trivandrum nach Mechernich kommen, dort Deutsch lernen, mit der Kommunität leben und pastorale Erfahrungen sammeln.
Zu ihnen gehört seit kurzem Father Subin, kirchenamtlich Rev. Fr. Jacob Chalil. Der 1994 geborene Priester wurde 2022 von Kardinal Cleemis zum Priester geweiht und wirkte anschließend unter anderem an der großerzbischöflichen Kathedrale St. Mary in Pattom sowie im Umfeld des Großerzbischofs. Derzeit lebt er bei der Communio in Mechernich und übernimmt dort bereits seelsorgliche Aufgaben. Für ihn wurde das Kölner Jubiläum zu einer eindrucksvollen ersten Begegnung mit der katholischen Weltkirche in Deutschland.
Was dort am Altar des Kölner Doms sichtbar wurde, beschreibt er nicht zuerst in Strukturen und Zuständigkeiten, sondern als Freundschaft: Die gegenseitigen Besuche, gemeinsame Eucharistiefeiern und jahrzehntelange Zusammenarbeit hätten Vertrauen geschaffen und die Kirchen enger miteinander verbunden.
Die Hilfe aus Köln habe zugleich einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung kirchlicher, pastoraler und sozialer Aufgaben in der syro-malankarischen Kirche geleistet: „Umgekehrt bringen Priester und Gläubige aus Indien inzwischen längst ihr eigenes geistliches und pastorales Leben in die Kirche Deutschlands ein“, schreibt Father Subin.
Aus einer Beziehung zwischen Geber und Empfänger sei Partnerschaft geworden, aus Unterstützung Austausch und aus Begegnungen Freundschaften, die Kardinäle, Priester und Gläubige über Kontinente hinweg miteinander verbinden.
pp/Agentur ProfiPress