Mechernich/Wachendorf – Manchmal führt eine Reise am Ende dorthin zurück, wo für einen ihrer Teilnehmer einmal etwas Neues begonnen hat. So war es bei einer 13-köpfigen Besuchergruppe aus der Schweiz, die zum Abschluss eines mehrtägigen Gemeinschaftsausflugs zur Communio in Christo nach Mechernich kam.
Mit dabei war ein alter Bekannter: Pfarrer Jaimson Mathew Kizhakkevila, Priester der mit Rom unierten syro-malankarischen katholischen Kirche. Knapp zwei Jahre hatte er im Mutterhaus der Communio gelebt, Deutsch gelernt und in der Seelsorge in Mechernich und Blankenheim Erfahrungen gesammelt.
Jaimson war vom Großerzbistum Trivandrum im südindischen Kerala nach Mechernich entsandt worden wie vor ihm bereits eine ganze Reihe indischer Geistlicher, darunter Father Jaison Thazhathil, der aktuelle Generalsuperior des Ordo Communionis in Christo.
Am 13. April 2021 hatte Father Jaimson in Trivandrum die Priesterweihe empfangen. In Mechernich war er bereits der fünfte Priester, den Moran Mor Baselios Kardinal Cleemis Catholicos, Großerzbischof-Catholicos der syro-malankarischen katholischen Kirche, der Communio zur sprachlichen und pastoralen Vorbereitung anvertraut hatte.
Im Sommer 2024 führte Jaimsons Weg dann aus der Eifel weiter in die Schweiz. Heute gehört er zum Pastoralraum Oberaargau im Bistum Basel. Zum 1. August 2026 wurde er dort als Vikar für die Pfarreien Herz Jesu Herzogenbuchsee, Bruder Klaus Huttwil, Maria Königin Langenthal und St. Christophorus Wangen-Niederbipp ernannt.
Der dortige Pastoralraum veranstaltet nach Angaben der Schweizer Gäste alle zwei Jahre einen Gemeinschaftsausflug, bei dem Gemeinschaft, geistliche Vertiefung und kulturelle Entdeckungen miteinander verbunden werden. Diesmal führte die Reise unter anderem nach Köln, Bonn und Aachen zu bedeutenden Kirchen, Kathedralen und kulturgeschichtlichen Stätten. Dass am letzten Tag auch Mechernich auf dem Programm stand, war für Jaimson weit mehr als ein touristischer Abstecher.
Nächstenliebe als sichtbare Frucht
Der Besuch begann mit der Feier der Heiligen Messe am Festtag des heiligen Niklaus von Flüe, des Schweizer Einsiedlers, Mystikers und Friedensstifters, der als „Bruder Klaus“ zum Landespatron der Eidgenossen wurde.
Anschließend nahm Schwester Lidwina die Besucher mit in die Geschichte der Communio in Christo und das Leben ihrer Gründerin Mutter Marie Therese. Dabei stand besonders die untrennbare Verbindung von geistlichem Leben und tätiger Nächstenliebe im Mittelpunkt.
Mutter Marie Thereses Leitwort „Die Liebe zum Nächsten ist Leben in Gott“ bringe dieses Selbstverständnis auf den Punkt, schreibt Father Subin in einem Pressebericht: „Die sozialen Werke sind nicht lediglich eine karitative Ergänzung der geistlichen Gemeinschaft. Sie sollen die sichtbaren Früchte ihres Glaubens und ihrer Spiritualität sein.“
Wie sich dieser Anspruch im Alltag konkretisiere, hätten die Schweizer anschließend bei einem Rundgang mit Einrichtungsleiterin Sonja Plönnes durch die Langzeitpflege und das Hospiz „Stella Maris“ in Mechernich erfahren: „Frau Plönnes erläuterte dabei die Begleitung schwerstpflegebedürftiger sowie schwerkranker und sterbender Menschen.“ Begegnungen mit Bewohnern und Mitarbeitern vermittelten den Besuchern dabei Eindrücke, die über Zahlen und Pflegekonzepte hinausgingen.
Father Subin lebt seit kurzem selbst im Mutterhaus der Communio in Mechernich. Der junge Priester aus Kerala gehört ebenfalls der syro-malankarischen katholischen Kirche an und wurde für ein Jahr aus Trivandrum nach Mechernich delegiert. Bereits bei der Verabschiedung des ugandischen Priesters Father Patrick Mwanguhya im August war er in der Communio öffentlich in Erscheinung getreten. Communio
Father Subin neu in Mechernich
Father Subin heißt kirchenamtlich Rev. Fr. Jacob Chalil. Er wurde am 18. März 1994 geboren und am 28. Januar 2022 zum Priester geweiht. Die offizielle Priesterliste der syro-malankarischen katholischen Kirche führt ihn beim Großerzbistum Trivandrum.
Nach seiner Priesterweihe wirkte er zunächst als Kaplan an der großerzbischöflichen Kathedrale St. Mary in Pattom/ Thiruvananthapuram, später auch als Hausgeistlicher im Umfeld des Großerzbischofs. Jetzt lernt er in Mechernich Deutsch, lebt mit der Kommunität und übernimmt seelsorgliche Aufgaben im Mutterhaus und in den Einrichtungen des Sozialwerks.
Auch der Bericht über die Schweizer Gäste stammt aus seiner Feder. Mit den Worten „Der Besuch gab der Gruppe die Gelegenheit, Bewohner kennenzulernen und den Geist der Fürsorge, Liebe und Gemeinschaft zu erleben, der die Einrichtungen auszeichnet“, fasste Father Subin seine Eindrücke zusammen.
Nach dem Rundgang kamen Schweizer Gäste und Mechernicher Kommunität zum gemeinsamen Mittagessen im Refektorium des Mutterhauses zusammen. Für Father Jaimson bedeutete auch das ein Wiedersehen mit einem vertrauten Stück seines früheren Alltags.
Schweizer Heiliger in der Eifel
Kaum passender hätte der Nachmittag für die Besucher aus der Schweiz gestaltet werden können. Die Gruppe fuhr nach Wachendorf zur Bruder-Klaus-Feldkapelle – ausgerechnet am Festtag jenes Schweizer Heiligen, dem der außergewöhnliche Sakralbau gewidmet ist.
Entworfen wurde die Kapelle von dem international renommierten Schweizer Architekten Peter Zumthor. Auftraggeber war das Wachendorfer Landwirts-Ehepaar Trudel und Hermann-Josef Scheidtweiler, die sich Niklaus von Flüe durch ihre langjährige Verbundenheit mit der Katholischen Landvolk- und Landjugendbewegung besonders verbunden fühlten.
Zumthor verzichtete auf ein Honorar. Für das zeltartige Innengerüst wurden zunächst 112 Baumstämme aufgerichtet und anschließend schichtweise mit Stampfbeton ummantelt. Nach dem Aushärten brannten die Scheidtweilers und ihre Helfer das Holz im Inneren aus. Die verkohlten Abdrücke der Baumstämme prägen bis heute den dunklen, höhlenartigen Andachtsraum.
„Der Besuch der Bruder-Klaus-Kapelle verlieh der Reise eine besondere spirituelle Dimension“, schreibt Father Subin über diesen für die Eidgenossen besonders symbolträchtigen Abstecher. Ein Schweizer Heiliger, ein Schweizer Architekt und eine weltbekannte Kapelle mitten auf einem Eifeler Feld – Heimat und Fremde lagen für die Besucher plötzlich erstaunlich nahe beieinander.
Zurück im Mutterhaus klang der Tag bei Kaffee und Gesprächen mit den Mitgliedern der Kommunität aus. Erinnerungen wurden ausgetauscht, alte Verbindungen erneuert und neue geknüpft. Für Father Jaimson schloss sich dabei ein Kreis. Als er Mechernich 2024 in Richtung Schweiz verließ, hatte er angekündigt, die Verbindung zur Communio und zu Generalsuperior Jaison Thazhathil nicht abreißen zu lassen. Das Mutterhaus bezeichnete er damals als eine Art zweite Familie.
Nun kehrte er mit Menschen aus seiner neuen Schweizer Heimat zurück. Und gleichzeitig steht mit Father Subin bereits ein junger Landsmann dort, wo Jaimson vor einigen Jahren selbst stand: am Anfang einer neuen Sprache, einer fremden Kultur und eines pastoralen Weges in Europa.
Vielleicht war deshalb gerade dieser Besuch mehr als ein Wiedersehen. Er zeigte auch etwas von jener weltkirchlichen Bewegung, die für die Communio längst selbstverständlich geworden ist: Menschen kommen aus Indien nach Mechernich, leben und beten gemeinsam, lernen voneinander – und tragen das, was sie erfahren haben, später weiter. Jaimson bis in die Schweiz. Subin vielleicht eines Tages an einen Ort, den heute noch niemand kennt…
pp/Agentur ProfiPress