Mechernich – Zehn ältere und demente Menschen haben bei Schwester Mini Joseph (55) im „Santhidhan“-Haus („Frieden schenken“) ein Zuhause gefunden. Bis zu 150 Bedürftige erhalten täglich eine Mahlzeit in der Armenküche „Anjappam“ („Fünf Brote“) des Kapuzinerpaters Bobby Jose Kattikad OFMCap, in der die Schwestern Philomena Antony Karimpil (67) und Silvy Augustine Elinjely (45) arbeiten.
Die drei 1971, 1958 und 1980 geborenen Ordensfrauen aus dem südindischen Kerala haben am Dienstagabend in der Gründungskapelle des Ordo Communionis in Christo in Mechernich ihre Gelübde abgelegt. Ihr Ja zu Gott verbindet sich mit einem Dienst an Menschen, die Hilfe brauchen.
Der stellvertretende Generalsuperior, Diakon Manfred Lang, nahm die Gelübde der drei Schwestern im Namen des zurzeit in Indien weilenden Oberen Jaison Thazhathil entgegen. Pater Rudolf Ammann, der Spiritual der Kommunität im Mechernicher Mutterhaus, segnete die Ordensinsignien, Kreuze und Ringe. Pfarrer Dr. Shaji Thomas Manikulam konzelebrierte bei der Heiligen Messe, Lang assistierte als Diakon. Pascal Lucke gestaltete den Gottesdienst musikalisch. Die Schwestern Liya Tom und Lidwina fungierten als Lektorinnen und Liturgin.
„Gott macht sich Freunde“
„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“: Dieses Jesuswort aus dem Johannesevangelium stand im Mittelpunkt der Predigt. Die als Votivmesse von der Liebe gefeierte Eucharistie verband Berufung und tätige Nächstenliebe. Die Gelübde sollten im Alltag Frucht bringen – ganz im Sinne der Communio-Gründerin, Mutter Marie Therese, und ihres Leitworts: „Die Liebe zum Nächsten ist Leben in Gott.“
Im Zentrum ihres Versprechens steht die „äußerste Nächstenliebe“: die Verpflichtung, sich Menschen in ihrer Not zuzuwenden und ihnen mit Achtung und tätiger Hilfe zu begegnen. Hinzu kommen ehelose Keuschheit, Demut und Gehorsam als konkrete Formen der Nachfolge Jesu.
Ehelosigkeit bedeute dabei die vorbehaltlose Bindung an Christus und Verfügbarkeit für den Dienst am Menschen, so Lang, Gehorsam das Hören auf Gottes Willen und die Bereitschaft, sich in die Gemeinschaft einzufügen. Den evangelischen Rat der Armut verwirklicht die Communio als Demut, d.h. im Verzicht auf Selbstüberhöhung und im schlichten, solidarischen Dienst. „Das Gelübde der Nächstenliebe gibt allen anderen Versprechen Richtung und Maß“, so der Diakon.
Wie konkret das im Leben der drei Schwestern aussieht, schilderte Lang anschließend im Refektorium. Seine Informationen stammten von Schwester Lidwina und Generalsuperior Father Jaison Thazhathil, der die Frauen als Mentor auf ihrem langjährigen geistlichen Weg zur Profess begleitet hatte. Er bezeichnete sie als „wertvolle Menschen“, die in Indien ihren wertvollen Dienst an anderen Menschen tun und damit Communio mit Christus nicht mit großen Worten, sondern mit Taten vorlebten.
Die 55jährige Schwester Mini Joseph eröffnete aus eigener Initiative ein Haus für ältere Menschen, vor allem für Menschen mit Demenz, das inzwischen zehn Bewohner zählt. „Wirtschaftliche Gewissheit hat die Schwester dabei häufig nicht“, konstatierte Diakon Manfred Lang: „Oft weiß sie nicht, wie es am nächsten Tag weitergehen soll. Sie vertraut auf Gottes Vorsehung und setzt ihre Arbeit fort.“
„Fünf Brote“ für alle Religionen
Die Schwestern Philomena, die im Dezember 68 wird, und die 45jährige Silvy wirken in der Initiative „Fünf Brote“ mit, die der bekannte indische Franziskanermönch und Prediger Bobby Jose Kattikad OFMCap ins Leben gerufen hat. Die zugehörige Armenküche versorgt täglich 100 bis 150 Menschen mit vegetarischen Mahlzeiten. Jeder gibt, was er kann. Gekocht werden ausschließlich vegetarische Mahlzeiten für Bedürftige aller in Indien vertretenen Religionen.
Auch für die Gäste ihrer Profess hatten die drei Schwestern selbst gekocht. Das Abendessen fand großen Anklang und gab Gelegenheit zu Begegnungen in einer ungezwungenen, zugleich dankbaren und andächtigen Atmosphäre. Im Namen der Schwestern dankte Mini Joseph allen, die zur Vorbereitung der Profess beigetragen und sie geistlich begleitet hatten – besonders den Schwestern der Kommunität und Generalsuperior Jaison Thazhathil.
Wenige Tage nach der Profess verließen die Schwestern Deutschland wieder und kehrten an ihre Einsatzorte auf dem Subkontinent zurück. Von den 250 Communio-Mitgliedern insgesamt, die sich durch Gelübde an die mit Mutterhaus in Mechernich ansässige geistliche Gemeinschaft gebunden haben, lebten die wenigsten in Kommunitäten, so der stellvertretende Generalsuperior Manfred Lang: „Die meisten leben und wirken an den Plätzen über den ganzen Erdball verteilt, an den sie Gott und das eigene Leben gestellt und berufen hat. Dort tun wir unseren Dienst mit und an den Menschen in Familien, an unseren Arbeitsplätzen und in unseren vertrauten sozialen Kontexten.“
Dort kehren nun auch die Schwestern Mini Joseph, Philomena Antony Karimpil und Silvy Augustine Elinjely an ihre Wirkungsstätten zurück. Der Kontakt zum Mutterhaus und Generalsuperior Father Jaison Thazhathil soll aber nicht mehr abreißen, hieß es von dem Oberen, der sich in Trivandrum/Kerala aufhält.
pp/Agentur ProfiPress